
Kigali – Goma – Rutshuru - Beni
Am Morgen laden wir unser gesamtes Gepäck auf den LKW und fahren zuerst zum Flughafen und warten auf die Sabena-Maschine mit unseren Nachzüglern aus München, die in Brüssel die Maschine nach Kigali verpasst haben. Wir verlassen Kigali und fahren zur Kongo-Grenze. Nach ca. 150 km Fahrt durch sehr eindrucksvolle, hügelige Landschaft mit Bananenplantagen erreichen wir die Grenzstadt Gisenyi. Es ist schon dunkel, als wir das Camp auf einer Wiese am Kivu-See aufbauen.
Es regnet fast schon den ganzen Tag. Durch anfängliche Probleme mit Platzsuchen, Zeltaufbauen, Gepäckverstauen, haben wir heute Abend nicht die richtige Muße, um uns an der Landschaft zu erfreuen. Spät am Abend, am Lagerfeuer machen wir eine zünftige "Begrüßung" unter reger Beteiligung von Einheimischen. Es gibt Musik, Tanz und "Mützig", einheimisches Bier.
Heute morgen, bei einigermaßen trockenem Wetter, genießen wir endlich den See und seine Umgebung. Er ist Afrikas höchstgelegener See (1.460 m, 2.650 km2 groß und über 80 m tief). Wir brechen rechtzeitig unser Lager ab, da wir heute noch die Grenze zwischen Ruanda und Kongo überqueren wollen, um nach Goma zu gelangen. Die Grenzformalitäten sind langwierig.
Nach ca. 30 km erreichen wir die Hauptstadt der Kivu-Provinz, Goma. Ein recht verkommenes Provinznest. Der düstere Eindruck wird noch durch die allgegenwärtigen, schwarzen Lavabrocken, die noch vom letzten Ausbruch des Nyiragongo-Kraters stammen, verstärkt. Nach einer Irrfahrt durch die Stadt erreichen wir das „Centre Sportif“. Auf der Wiese des Centers schlagen wir die Zelte auf. Geplant ist für heute die Besteigung des Nyiragongo-Vulkans. Durch das besonders schlechte Wetter - es regnet fast die ganze Zeit - ändern wir aber unseren Plan. Die Vulkane sollte man sich bei besserem Wetter vornehmen. Wir bereiten uns daher zunächst auf die Besteigung des Ruwenzori vor, da wir annehmen, dass es am Ruwenzori (genannt „der Regenmacher“) sowieso den größten Teil des Jahres regnet und so wollen wir die Schlechtwetterperiode dazu nutzen, zunächst dorthin zu kommen.
Wir frühstücken im Regen und nachdem sich das Wetter aufgeklärt hat, machen wir einen Ausflug zum Grünen See.
Danach bereiten wir uns auf die morgige Abfahrt Richtung Beni und zum Ruwenzori vor. Nach einem kurzen Aufenthalt in Goma zum Einkaufen verlassen wir die Stadt und fahren weiter nach Norden.
Nach ca. drei Stunden Fahrt über schlechte Straßen kommen wir zum Ruthsuru-Wasserfall. Eine längere Mittagspause tut uns allen gut. In herrlicher Landschaft können wir unsere strapazierten Knochen ausstrecken, Kräfte sammeln und den imposanten Wasserfall genießen. In tropischem Wald versteckt, stürzt ein Fluss über große Felsbrocken in die Tiefe. Das Rauschen des aufgewühlten Wassers, der feuchte Dunst, das Tiefgrün der Pflanzen, die Sonnenstrahlen, die die Farbe des Wassers aufhellen - wirklich eindrucksvoll.
Die Zeit läuft weg, wir müssen weiter. Wir fahren durch den Virunga-Nationalpark. Nach 4 Stunden erreichen wir Kanyabayonga, eine größere, endlos lang gezogene Ortschaft, die sich über mehrere Hügel erstreckt. Am Ortseingang besuchen wir kurz eine Werkstatt für Elfenbeinschnitzereien. Es ist erstaunlich, wie viele Sachen aus Elfenbein heute noch hergestellt werden. Am Hotel Itala bauen wir unser Camp auf.
Am frühen Morgen geht es weiter. Mittags sind wir am Äquator, Zeit für einige Fotos, bevor es weiter geht. Am Nachmittag erreichen wir die Stadt Beni. Ein grimmiges Loch am Fuße der „Mondberge“ (Ruwenzori).
Wir frischen hier unsere Lebensmittelvorräte auf. Das Camp ist nichts Besonderes, wir finden aber kein besseres.
Beni – Mutsora – Ruwenzori Basiscamp
Es regnet seit abends fast ohne Pause. Wir packen die nassen Zelte ein und frühstücken eilig unter einem Strohdach. Der Regen hört nun auf und wir fahren weiter Richtung Mutsora, dem Ruwenzori-Basiscamp. Am Mittag erreichen wir den mächtigen Semliki-Fluss, die Grenze zwischen dem Kongo und Uganda.
Die Brücke, die über den Fluss führt, wird als "strategisch wichtiges Objekt" durch Militär bewacht. Hier machen wir eine Pause. Nachdem sich einige der Soldaten besonders für unseren LKW, die Ausrüstung, Seile usw. interessieren und natürlich alles brauchen können, verlassen wir schnell den Platz.
Die durch den ständigen Regen aufgeweichte Piste ist glitschig. Das Vorwärtskommen wird immer schwieriger, bis wir in einer LKW-Kolonne stecken bleiben - nichts geht mehr. Neugierig verlassen wir unseren LKW und suchen nach dem Grund des Staus. In einigen Metern Entfernung sehen wir die "Bescherung".


Ein LKW mit Anhänger ist der schlammigen Straße zum Opfer gefallen. Der Anhänger steht quer, so dass niemand mehr vorbei kommt. Die Fahrer mühen sich anscheinend schon seit Stunden ab, um die "Karre" aus dem Dreck zu ziehen. Kaum einer hilft, dafür gibt es aber sehr viele Zuschauer. Wir packen an. Nach einiger Zeit ist die Strecke wieder frei, die Kolonne löst sich auf. Um 18 Uhr erreichen wir das Basislager in Mutsora, den Eingang zum Ruwenzori Nationalpark. Im Vergleich zu den letzten Camps sieht es hier wie im Paradies aus. Alles ist sehr gepflegt, viele Bäume, ein kühler Gebirgsbach und Platz für die Zelte.
Das Wetter bessert sich zusehends. Wir sind glücklich, hier sein zu können. Wir waschen, baden, räumen auf, sitzen stundenlang vor dem Zelt oder am Fluss, sortieren das gesamte Gepäck und holen die Ausrüstung für die Berge heraus – alles wird kontrolliert. Man tauscht Erfahrungen über die richtige Bergausrüstung aus und berät sich, was mitzunehmen ist. Das ganze Camp steht im Zeichen der morgigen Bergbesteigung.
Der Ruwenzori
"Berge des Mondes", "Land des Nebels", "Regenmacher" - das sind einige von vielen Namen für diese legenderen Berge, deren Schnee die Seen - Quellen des Nils - speisen. Die Bergkette hat eine Länge von 120 km und befindet sich nördlich vom Äquator, auf der Grenze zwischen Uganda und dem Kongo, im Zentralafrikanischen Graben zwischen Eduard- und Albertsee.
Dieses Felsmassiv ist nicht vulkanischen Ursprungs, sondern durch Bewegungen der Erdkruste vor ca. 10 Millionen Jahren entstanden, in der Zeit der Bildung des Rift-Valleys. Das Tiefengestein besteht hauptsächlich aus Quarzen und Gneis. In diesem Gebiet erheben sich die Berge bis zu einer Höhe von 5.000 m, von tiefen Tälern mit dichter Vegetation durchsetzt, mit vielfältiger Pflanzenwelt und großen Gebieten von Sümpfen und Wäldern.
Die Besteigung
Die Träger und Führer sind schon vor acht Uhr da. Das restliche Gepäck wird noch zu Ende verpackt. Die Träger teilen nach dem Wiegen die Seesäcke unter sich auf, niemand darf über 20 kg tragen („Trägergewerkschaft“). Nicht nur die persönlichen Sachen, sondern auch die Verpflegung für uns und die Träger müssen transportiert werden. Dann gehts los.
Zunächst geht es durch den Ort Mutsora, dann immer höher durch die Ausläufer des Dorfes, Bananen- und Kaffeeplantagen, dann vorbei an vereinzelten Gehöften, bis die letzten Hütten verschwinden und wir in die Region des Waldes vordringen.
Der Weg ist zwar noch nicht sehr steil, zieht sich aber unendlich lang hin. Zum Glück finden wir unterwegs einige Bäche, wo wir uns erfrischen können. Die Sonne brennt brutal. Von der Hitze und dem langen Weg geschafft, kommen wir nach 8 Stunden Marsch in die Kalonge Hütte (2.138m) an.

Jeder sucht sich in der Holzhütte ein geeignetes Plätzchen für den Schlafsack und für das Gepäck. Wir genießen den ersten Abend am Berg. Der Höhepunkt unserer Reise hat begonnen. Wir bewundern die üppige Vegetation, den Sonnenuntergang, erzählen uns Geschichten von anderen Bergbesteigungen und denken nach, was uns morgen erwarten wird.
Nach einer recht unruhigen Nacht auf dem harten Holzboden bereiten wir uns für den Weitermarsch vor.
Die Etappe soll die schwierigste sein. Ca. 8 Stunden Marsch (nach Angaben der Träger) stehen uns bevor. Einer nach dem anderen verlässt das Camp. Zuerst geht es eine sehr steile Böschung zu einem Gebirgsbach hinauf. Hier nehmen wir noch Wasser auf. Es geht nur noch steil bergauf. Der Weg ist ein riesiges Treppenhaus ohne Ende mit überdimensionalen Stufen - es ist der reine Wahnsinn. Der extrem steile Pfad führt uns durch eine märchenhafte Landschaft.
Die Strapazen des Aufstiegs im unwegsamen Gelände vergisst man schnell, so sehr lassen wir uns von der einzigartigen Landschaft und Vegetation verzaubern. Eindrucksvoll ist vor allem das Phänomen des Riesenwachstums der Pflanzen am Ruwenzori, bedingt durch das permanent feuchte Klima. Die Pflanzen sind hier um ein Vielfaches größer als bei uns. Das z.B. bei uns bekannte Johanniskraut wird hier bis zu 15 Meter hoch, Heidekraut bis zu drei Meter. Trotz der frostigen Nächte ab einer Höhe von 4000 m nehmen die Pflanzen keinen Schaden, da sie selbst eine Frostschutzflüssigkeit entwickeln.
Wir sind geschafft und entzückt zugleich. Glitschige Wurzeln, schlammiger Untergrund, Moose, Bartflechten, Bäume mit riesigen Ausmaßen, schaffen eine unwirkliche und einzigartige Atmosphäre.
Nach 5-stündigem anstrengenden Marsch erreichen wir die Mahangu Hütte (3.310m). Glücklich und total kaputt bereiten wir das nächtliche Lager vor. Wir kochen, packen unser Gepäck um und erzählen uns die Erlebnisse und Erfahrungen des heutigen Tages.



Wir haben viele Probleme unterwegs. Mehrmals müssen wir auf allen Vieren herumkraxeln, rutschen oft herunter, kommen mit den Beinen im Wurzelwerk nicht recht weiter. Der Wunsch, dass sich der Schwierigkeitsgrad nicht vergrößern möge, hat sich leider nicht bestätigt. Das Abenteuer ist perfekt. Noch mehr Moose und Flechten, gespenstische Riesenbäume und Sträucher, erschreckende Ruhe: Nebel, Wolken und Sonne wechseln sich ab, eine Landschaft wie auf einem fremden Planeten. Es verschlägt uns den Atem, es gibt auf der Welt nichts Vergleichbares.



Langsam verlassen wir den Regenwald und gehen durch die Hochmoorzone mit Grasbüscheln, niedrigen Sträuchern, Kräutern Johanniskrautbäumen, Lobelien, Hagenien und Senecien. Nebel- und Wolkenfetzen hüllen uns ein. Es ist schon erheblich kälter, als in den unteren Regionen. Wir merken neben der körperlichen Erschöpfung langsam auch die Höhe. Die ersten Kopfschmerzen stellen sich ein.


Zum Glück hat sich am nächsten Morgen das Wetter deutlich gebessert und so können wir bei einer Rundwanderung im Bereich der Hütte die Aussicht auf die Bergwelt geniessen. Der ursprünglich vorgesehene Aufstieg zum Margherita Gipfel ist nicht möglich, da unsere Ausrüstung, die nur aus einigen Seilen besteht, keinesfalls ausreichend ist. Dies wird uns auch von Bergsteigern gesagt, die gerade vom Gipfel zurück kommen und die trotzt kompletter Bergausrüstung, vor allem wegen der extremen Schneeverhältnisse Probleme beim Auf- und Abstieg hatten.


Der letzte Tag am Berg soll auch der längste werden. Schon die Strecke zwischen der Mahangu- und der Kalonge-Hütte will nicht enden. Mit schmerzenden Knien, aufgerissenen Zehen und sonstigen Verletzungen erreichen wir einen Bach. Das Wasser ist eisig kalt, aber trotzdem waschen und baden wir eifrig. Nach kurzer Ruhepause an der Kalonge-Hütte brechen wir zu der letzten Etappe auf. Der Weg scheint ohne Ende zu sein. Wir haben nur noch den Wunsch, endlich das Basiscamp zu erreichen. Die meisten Träger mit Gepäck sind schon da. Wir packen alles aus, zahlen die Träger und Führer aus, verteilen an sie Bekleidung, Schuhe und andere Sachen, die wir entbehren können. Jetzt ruhen wir uns aus. Wir sammeln neue Kräfte. Füße, Zehen, Knie, blaue Flecken und sonstige Wehwehchen behandeln wir sehr sorgfältig. Es wird viel geredet und jeder will seine Eindrücke loswerden.
Das Wetter ist immer noch sehr gut. Wir sitzen stundenlang im Fluss, waschen uns und die Wäsche, halten Mußestunden und basteln schon an Plänen für die nächsten Tage. Wir sind richtige Glückspilze, denn am Berg regnet es durchschnittlich an 300 Tagen im Jahr und ausgerechnet wir erwischen eine knappe Woche, in der es nicht regnet.
Mutsora – Pygmäen – Virunga – Edwardsee




Wir haben Zeit genug, uns hier umzuschauen. Das Interesse ist auf beiden Seiten gleich - sie schauen uns zu und wir ihnen.
Sie lachen, singen, scherzen, erzählen sich etwas in einer für uns sehr fremd klingenden Sprache. Wir verlassen die kleinen Waldmenschen und kehren zu unserem LKW zurück.
Das heutige Camp stellen wir auf einer größeren Lichtung des Waldes, weit genug entfernt von Dörfern und Einheimischen, auf.
Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir Beni. Wir möchten heute noch im Hotel Itala in Kanyabayonga ankommen. Nach über einer Stunde hören wir ein seltsames Zischen im hinteren linken Reifen. Ausgerechnet heute, auf einer langen Fahrstrecke, platzt ein Reifen. Am Straßenrand halten wir an. Die starken Männer sind gefragt: Wagenheber ansetzen, Radschrauben abmontieren, Reifen auswechseln, Schrauben anziehen, Wagen runterlassen.
Alles fertig, wir können weiter. Nach einer Stunde harter Arbeit in praller Sonne sind wir froh, weiterfahren zu können. Kaum eine Stunde ist vergangen und wir hören wieder das bekannte Zischen. Keiner von uns will es glauben - der zweite Reifen ist soeben geplatzt, diesmal hinten rechts. Es ist Mittagszeit, unbeschreiblich heiß und keinerlei Schatten. Diesmal funktionieren die Arbeiten viel glatter und schneller, dafür müssen wir nun den Mantel von der Felge abmontieren und einen neuen Schlauch einlegen.
Am nächsten Mittag erreichen wir das Hotel Itala. Nach einer kurzen Pause geht’s weiter, quer durch die Berge und dann immer tiefer hinunter in die große Ebene. Es wird zusehends wärmer. Wir genießen die herrlichen Ausblicke auf den unten liegenden Virunga-Park.

In der Rwindi-Lodge erledigen wir die Formalitäten (Parkeintritt, Campsitegebühren usw.) für den Park. Nicht weit von der Lodge entfernt schlagen wir im Busch die Zelte auf. Heute Nacht hören wir die Stimmen vieler Tiere.
Virunga Park – Vitshumbi / Edwardsee (912m)
Der Virunga-Park umfasst den Nordwesten Ruandas und den Osten des Kongo. Die Grenzlinie zwischen Uganda, Ruanda und dem Kongo verläuft über die Gipfel der Vulkankette.


Auf einer guten Sandpiste fahren wir schliesslich weiter zum Edward-See. Der See erstreckt sich auf der Grenze zwischen dem Kongo und Uganda. Zusammen mit dem Albert-, Kivu-, Tanganjika- und Malawi-See ist der Eduardsee Bestandteil des Zentralafrikanischen Grabens. Der ca. 1.500km lange Grabenbruch im östlichen Zentralafrika fängt schon am oberen Nil (Albertnil) an. Die Grabenränder fallen von Norden (3.300m) nach Süden (1.500m) ab.
Es ist sehr schön am See. Wir fahren durch das sehr saubere und lebendige Dorf am Seeufer entlang, zu einer "Badestelle". Da auch im See sehr viele Hippos sind, bleiben unsere Aktivitäten im Wasser recht eingeschränkt. Wir genießen es trotzdem. Am frühen Nachmittag kommen langsam die ersten Hippos aus dem Wasser. Sie grasen in aller Ruhe auf den Wiesen, wälzen sich im Schlamm und legen längere Schlafpausen an Land ein. Wir sonnen uns in sicherem Abstand. Zu Mittag gibt es Fisch: frisch gefangen, gegrillt, gut gewürzt, mit selbst gemachten Fritten und „Pili pili“. Die Marabus belagern unsere Lauben erwartungsvoll, sie wissen, dass auch für sie etwas von dem Mahl übrig bleiben wird.
Es gibt hier viele Marabus, Ibisse sowie Pelikane. Wenn die Fischerboote am Ufer anlegen, empfängt sie jedes mal eine Ehrengarde - links eine Reihe Marabus, rechts eine Reihe Pelikane. Wir schauen den Fischern zu beim Leeren der Boote und Überprüfen der Fischnetze, den Frauen beim Waschen und den Kindern beim Spielen. Alles erweckt den Eindruck einer ruhigen, zufriedenen Dorfidylle.


Die Vegetation ist nicht so interessant wie im Ruwenzorigebiet. Im Vordergrund steht diesmal der Vulkan selbst.
Der Nyiragongo, 3.470 m hoch, befindet sich im Mittelteil des Zentralafrikanischen Grabens. Dieses Gebiet verzeichnet eine außergewöhnliche Erdbebentätigkeit. Die acht mächtigen Vulkane der Virungaberge müssen als aktiv angesehen werden.




Wir machen ein wenig sauber, damit wir die Matten und Schlafsäcke ausbreiten können. Eigentlich ist hier nur Platz für 6 Personen, aber wir sind 12. Es wird so lange geschoben, gezogen und umgeändert, bis wenigstens 10 Leute, die Lebensmittelvorräte und die Feuerstelle Platz haben. Zwei von uns (die Schnarcher) müssen die Nacht in der anderen Hütte verbringen — "freiwillig".

Am nächsten Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, steigen wir zum Kraterrand hinauf. Der Aufstieg durch das Geröllfeld ist sehr anstrengend und steil. Der Weg schlängelt sich um die Steinbrocken herum. Der Aufstieg selbst dauert nur knapp eine halbe Stunde. Wir haben Glück, das Wetter ist klar, der Himmel wolkenlos, aber es ist sehr windig hier oben.
Wir genießen den Sonnenaufgang über dem gegenüber liegenden Karisimbikrater und bewundern den vollkommenen Vulkankrater des Nyiragongo.
Nach zwei Stunden laufen wir zurück zu den Hütten, packen unsere Sachen und marschieren zurück zum LKW. Am Nachmittag erreichen wir wieder Goma. Die Sachen für die morgige Gorillawanderung werden am Abend noch vorbereitet. Nach kurzer Fahrt kommen wir um die Mittagszeit in Rumangabo, dem Ausgangspunkt der Wanderung, an.
Das Gorillagebiet liegt in den höheren Regionen des Mikeno Kraters, ein Teil des Volcano-Nationalparks. In brüllender Mittagshitze stellen wir in der Nähe von Rumangabo die Zelte auf. Am nächsten Tag brechen wir zu den Gorillas auf. Ein Führer und ein Träger begleiten uns. Nach drei Stunden Marsch durch Bananen- und Hirsefelder, Dörfer und Gehöfte, erreichen wir am Fuße des Mikeno-Vulkans die Bukima-Hütte. Eine Holzhütte, die sich wirklich sehen lassen kann, alles noch sauber, gepflegt und neu.
Mit einem Spezialführer und einem Fährtensucher machen wir uns auf den Weg zu den Wohnplätzen der Berggorillas. Nach ca. einer Stunde erreichen wir den Urwald. Der Weg führt zunächst noch einen gut sichtbaren Pfad entlang. Die Führer halten nach den Gorillas Ausschau. Plötzlich sind sie da - noch ziemlich weit im Dickicht. Um näher hinzukommen, müssen wir uns mit einer Panga den Weg durch den dichten Urwald bahnen. Die Abhänge sind steil, die nassen Blätter und das Unterholz sehr glitschig. Festhalten kann man sich nur an Riesenbrennnesseln oder dornigen Zweigen. Wir treffen auf die ersten Schlafplätze der Tiere. Endlich sehen wir sie aus der Nähe.
Sie sitzen auf den Bäumen oder im dichten Gehölz und fressen - zuerst die kleinen, neugierigen, dann die größeren. Wir bleiben in gebührender Entfernung stehen. Die ersten Begegnungsängste müssen von beiden Seiten überwunden werden. Die Gorillas sind groß, sehr mächtig und haben dickes, braun-schwarzes Fell, überdimensional große Oberarme, breite Schultern und verhältnismäßig kurze Beine. Tiefliegende, dunkle Augen, eine platte Nase, kleine Ohren und eine große Schnauze mit kräftigem Gebiss. Die erwachsenen Gorillamännchen, die wir jetzt sehen, sind fast 2 Meter groß und 300 kg schwer. Sie leben im Familienverband. Auf dieser Seite des Mikeno-Vulkans gibt es 4 Familien mit je ca. 15 Tieren.

Nur eine Familie ist an Menschen gewöhnt, die anderen bewohnen die Vulkanhänge weit ab von Menschen. Auf der Ruandaseite des Vulkans gibt es drei "menschengewöhnte" Familien. Patriarchalisches System und hierarchische Rangordnung bestimmen das Familienleben des größten Menschenaffen. Zu der Familie der Menschenaffen gehören noch Schimpansen, Gibbons und Orang-Utans. Durch enormen Einsatz einiger Natur- und Tierforscher, die hier mit Aufopferung und Hingabe für die Arterhaltung der letzten Berggorillas gekämpft haben, können wir heute mit den friedlichen, pflanzenfressenden Primaten zusammen sein.
Leider naht der Abschied. Wir verlassen die Gorillas, aber für sie verläuft der Tag wie üblich weiter, immer auf der Suche nach Leckerbissen, Zweigen des wilden Selleries und anderen Köstlichkeiten. Am späten Nachmittag erreichen wir wieder das Basiscamp in Rumangabo.
Rumangabo – Goma - Kivusee – Kigali
Der Vormittag ist für die letzten Einkäufe in Goma reserviert. Es bleibt noch Zeit, um das letzte Geld in der Kneipe los zu werden. Die Nacht verbringen wir nochmal im "Centre Sportif". Am nächsten Morgen nach dem Erledigen der Grenzformalitäten auf beiden Seiten, fahren wir über Gisenyi zum Kivusee. Hier am Ufer des Sees haben wir vor vier Wochen das erste Camp bei schlechtem Wetter aufgebaut. Das letzte Camp bauen wir an gleicher Stelle auf, aber diesmal bei strahlendem Wetter.
Zum letzten Mal packen wir die Zelte und die gesamte Ausrüstung zusammen. Wir haben noch etwas Zeit, wir schauen auf den See, hören auf das Rauschen der Wellen, beobachten die Vögel und genießen die Sonnenstrahlen.
Dann heißt es für uns Abschied nehmen. Nach über vier Stunden Fahrt kommen wir wieder in Kigali an. Diese Nacht verbringen wir in dem uns schon bekannten Hotel Kiyovu. Am nächsten Morgen geht unser Flug zurück nach Deutschland.































































